Bericht zum Naturschutz-Termin mit dem Bürgermeister und den Fraktionsvorsitzenden

Der NuK stemmt sich –zumindest lokal- seit 5 Jahren gegen den Niedergang der heimischen Flora und Fauna. Es ist unser tägliches Freizeitbrot uns mit der Situation in unserer Umwelt auseinander zu setzen und Wege zu finden, wie wir helfen können, beziehungsweise, wie wir unseren Einfluss auf die natürlichen Abläufe reduzieren können.

Am 20.01.2018 reichte die Kevelaerer SPD-Faktion einen Antrag an den Bürgermeister ein, in dem aufgefordert wurde, eine „Bienenfreundliche Kommune“ zu werden.

Der NuK nahm dies zum Anlass, sich die Forderungen einmal genauer anzusehen und fand sie ergänzenswert. In der Antragstellung der SPD wurde die Beteiligung von Bürgern und Vereinen als ein Punkt angeführt. Ein Trigger, den wir nicht links liegen lassen wollten.

So traf sich in den vergangenen Tagen der NuK-Vorstand und beriet, welche Maßnahmen sinnvoll und empfehlenswert sind. Neben dem Vorstand holten wir uns auch noch jene Vereinsmitglieder an den Tisch, die über gutes Fachwissen verfügen. Zwei Wochen regen Austausches nahmen ihren Lauf. Als Ergebnis versendeten wir eine Bitte um die Beteiligung an den Gesprächen an unseren Bürgermeister Dr. Pichler und an alle Fraktionsvorsitzenden des Rates. So zeitnah, wie man es sich nur wünschen kann, bekamen wir als Antwort von der Kommune Zeit und Ort genannt, an dem das Treffen stattfinden sollte. Schön, man schob uns nicht auf die lange Bank und nahm unsere Anliegen ernst.

Vorgestern Abend (06.02.) fand das Treffen im Sitzungsraum 211 im Rathaus statt. Es erschienen der einladende Bürgermeister, ein weiterer Mitarbeiter der Stadt, jeweils ein Vertreter aller Fraktionen, sowie die Delegation des NuKs.

Nach der Begrüßung durch Dr. Pichler, erklärte Herr Blumenkemper von der SPD den Hintergrund des Antrages. Die Wahrnehmung der aktuellen Umweltsituation sei Antrieb gewesen. Die Inhalte der Forderungen müssten ergänzt und korrigiert werden, weil sie selbst eben keine Spezialisten in Sachen Natur seien, sagte er sinngemäß. Daher ja auch der Aufruf um Mitwirkung. An der Ernsthaftigkeit innigen Interesses an Veränderung ließ er es nicht mangeln.

Johannes Baaken erläuterte nun, welche Umweltthemen die Kommune bereits in Angriff genommen hat, welche in Planung befindlich sind und welche längst gang und gäbe sind. Als unser Vorsitzender Rainer Verhülsdonk an der Reihe war, stellte er sich als Person und den NuK als Verein vor. Er machte klar, dass die Nachhaltigkeit und die anzustrebende Vernetzung wichtiger sind, als kurzfristige Leuchtraketen, die nicht nachwirken. Danach erhielt Mattes David das Wort, welcher den Maßnahmenkatalog des NuKs vortrug. 13 Änderungs- oder Ergänzungspunkte, von Erläuterung bis Forderung. Nach der kurzen Verlesung war der Ring frei für Diskussion, Austausch und Rückfragen.

Wir hatten mit mehr Gegenwind gerechnet oder damit, dass wir erst für bestimmte Punkte Werbung betreiben müssten. Dem war nicht so. So gut wie jeder einzelne Punkt wurde mit Interesse und Zustimmung besprochen. Kein Herausreden, keine Schuldzuweisungen, vollkommen konstruktiver, planerischer Austausch, wie man die Dinge angehen könnte. Inklusive vorläufiger Empfehlungen über die Verfahrensweise als Ergebnis. Während der Runde herrschte sachlicher, informativer und ergebnisorientierter Austausch mit reger Teilnahme.

Im Resümee im Anschluss beim Bierchen haben wir vom NuK folgendes Fazit für uns gezogen:

Die Kommune (in Form des BM) und alle an der Diskussion beteiligten Vertreter der Fraktionen waren sich einig, dass der Naturschutz in Kevelaer dauerhaft und nachhaltig mehr Gewichtung erfahren muss. Bereits zum Ende des kurzen Austausches wurde der Weg als Skizze beschrieben.

Um grob ein paar Ergebnisse zu benennen:

• Die im Antrag geforderte Summe für Rückstellungen für den Haushaltsplan wurde gedanklich in eine -den Umständen angepasste- Höhe überführt.

• Eine städtische Fläche von 8000 qm wird kurzfristig für ein Leuchtturm-Projekt zur Verfügung gestellt. Dort soll ein sich selbst überlassenes Areal entstehen, das ggf. zur Anschauung genutzt werden kann.

• Einmal im Jahr soll ein Naturschutztag unter Beteiligung aller Interessierten abgehalten werden. Er dient der Möglichkeit des Austausches, der Anregung und der Information. Dieser könnte beispielsweise in Zukunft auf dem vorgenannten Areal stattfinden, das seitens der Stadt zur Verfügung gestellt wird.

• Ab März wird die zukünftige Klimabeauftrage der Stadt anteilig mit der Aufgabe des Naturschutzes in Kevelaer betraut werden.

• Es wird ein „Arbeitskreis Naturschutz“ installiert, in dem sich Kommune, Politik und Bürger regelmäßig beraten. Hinzu gezogen sollen auch alle anderen Vereine und Gruppierungen Kevelaers und der umliegenden Ortschaften, die sich in den Naturschutz einbringen wollen und dies schon seit langer Zeit tun.

• Der Antrag der Grünen zum Bankettenschutz aus dem Jahr 2015 (?)wird wieder in den Mittelpunkt gerückt.

• Der Naturschutz soll mehr Gewichtung in Schulen und Kindergärten erfahren. Die Aufklärung insgesamt soll einen neuen Stellenwert erfahren.

• Regelmäßiges Ausbringen von Totholz, beziehungsweise Belassung statt Räumung soll Anwendung finden.

• Festgestellt wurde leider auch, dass die Kommune keinerlei Einfluss auf die Gestaltung von Gärten (Stichwort „steriler Garten“) hat. Hier muss die Bevölkerung sensibilisiert werden.

• Als fast wichtigstes Ergebnis kann man benennen, dass der Rat bei zukünftigen Entscheidungen den Naturschutz stets im Auge behalten will, weil sich jeder der Situation bewusst ist, in der wir uns derzeit befinden.

Für den NuK ist dieser Abend ein guter Abend gewesen. Sehr gut sogar. Wir durften erfahren, dass man die Dinge ernst nimmt und wurden nicht vertröstet. Was davon in der täglichen und zukünftigen Politik hängen bleibt und umgesetzt wird, werden wir beobachten.

Das war bei weitem nicht alles, was an dem Abend besprochen wurde. Über fast alle Themen herrschte reger Austausch. Viel hinterfragt wurden Bepflanzungsvarianten oder die Art und Weise, wie man funktionierende Insektennisthilfen baut. Giftstoffe im Garten waren Thema, die Schwierigkeit alte Gewohnheiten zu ändern und auch die Landwirtschaft und die OW1 fanden Erwähnung. Alle am Gespräch beteiligten Personen waren sich einig, dass nur dauerhaftes und nachhaltiges Handeln Sinn macht.

Eine Ergänzung müssen wir noch hinzufügen: Eines unserer Mitglieder schüttelte während der Sondierungen im Vorfeld immer wieder den Kopf und sagte, dass er dies alles kenne. Die 80er Jahre … die gleichen Forderungen … das alles ohne Ergebnisse. War das alles für die Katz? Wann fangen wir an wirklich etwas zu ändern?

Nein, wir müssen uns nicht an das Massensterben der Arten gewöhnen. Wir dürfen es nicht. Der Spruch, es sei „5 vor Zwölf“, gehört der Vergangenheit an. Wir müssen es angehen. Jetzt!


Die Maßnahmenempfehlungen des NuK im Detail:

Maßnahmenempfehlung zur Förderung der Insekten in der Wallfahrtsstadt Kevelaer
anlässlich des Antrages der SPD vom 20.01.2018 „Bienenfreundliche Kommune“

Bezugnehmend auf die von der SPD angedachte vergünstigte Abgabe von Obstbäumen:

Der NuK hat vor zwei Jahren 100 Obstbäume an die Bevölkerung verschenkt. Die Resonanz war riesig. Wir mussten sogar 40 Stück nachordern, um die Nachfrage zu befriedigen. Dennoch vergessen viele Nutznießer, dass so ein Baum min. 5 Jahre regelmäßig – nicht nur im Sommer – gewässert werden muss. Zudem bedeuten Obstbäume auch einen hohen Pflegeaufwand. Wir raten daher eher zur Vergünstigung von heimischen Gehölzen, die gleichzeitig Nahrung für unsere Vögel bieten.
Idealerweise erfährt derjenige höhere Vergünstigungen, der diese Gehölze im Austausch gegen vorhandene Kirschlorbeeren und Forsythien im heimischen Garten anpflanzt. Im Idealfall wird eine jahreszeitliche Hecke angelegt, deren Blühfolge über den ganzen Jahresverlauf Nahrung bereitstellt.
Hier ist auch die Aufklärung der hiesigen Baumärkte und Gartencenter ein Aspekt, den man ins Auge fassen sollte.

(Idee: Pflanzprämie: Kirschlorbeer vorher fotografieren, Neuanpflanzung fotografieren, Quittung und Bilder vom Kauf einreichen und xy Euro Pflanzprämie abholen)

Bankettenschutz:

Die Bankette, vor allem die an den Wirtschaftswegen, ist nahezu der einzige Rückzugsraum für Flora und Fauna in unserer agrardominierten Landschaft. Die Lebensräume werden totgepflegt und totgespritzt. Es ist außerordentlich wichtig diese Bereiche unter strengen Schutz zu stellen. Sichtdreiecke im Straßenverlauf sind hierbei ausgenommen. Gleiches gilt für Ackerrandstreifen.

Wildblumenaussaat:

Gerne weiter wie bisher, aber zu Ende gedacht: Kein Schnitt vor der Folgevegetationsphase. Auch wenn das Bild einer verblühten Wildwiese das Auge mancher Bürger stört, so ist doch die Blüte nur eine Nutzungsart der Wildblumen. Wird die Wiese nach der Blüte abgetragen, kann kein Samen für das kommende Jahr die Nachfolge antreten. Stieglitze und andere Körnerfresser werden um ihr Winterfutter gebracht. Zudem muss die Wahl auf mehrjährige Pflanzen fallen. An einer „Kindheitswiese“ können sich sicher viele Bürger erfreuen. An ein Erntedankfest, an dem die Kinder Blumen auf den Wiesen pflücken, können sich vermutlich nur noch die früheren Generationen erinnern.

Ausbringung von Totholz:

Gerade jetzt, wo der Sturm Friederike für große Mengen umgestürzter Bäume gesorgt hat, ergeben sich gute Möglichkeiten dieses Material für den Naturschutz zu verwenden. Totholz gilt als eine der größten Bereicherungen in der sich selbst überlassenen Landschaft. Kaum ein Lebensraum wird vielfältiger besiedelt. Häckselgut jeweils kubikmeterweise als Haufen an verschiedenen Stellen ausgebracht, stellt einen idealen Lebensraum für unsere Käfer dar.

Förderung der Akzeptanz von Naturgärten:

„Wie sieht es denn bei euch aus?“ Sterile Gärten erfahren in jüngster Zeit eine erschreckende Beliebtheit. Naturgärten gelten hingegen als gammelig und unansehnlich. Beide Umstände stehen dem Naturschutzgedanken konträr entgegen. Der Kreisverband für Heimatpflege könnte als Partner ins Boot geholt werden.

Laubhaufen, statt Laubbläser:

Im Herbstlaub überwintern viele Arten, wie zum Beispiel Spinnen und Schmetterlinge. Auch auf städtischen Liegenschaften könnte man Laub einfach als Haufen zwischen Gehölzen belassen. Insekten überleben und stellen eine wichtige Proteinquelle für Vögel im Winter dar. Der Reinigungsaufwand wäre wesentlich geringer.

Budgetierung:

5000 Euro ist keine Summe, die eine Kommune zur insektenfreundlichen Stadt macht. Man kann sich diesen Titel nicht kaufen. 50.000 jährlich käme der Realisierung schon eher entgegen.
Gelder lassen sich beispielsweise über den Kreis generieren. Zumindest für landschaftsaufwertende Maßnahmen stehen große Summen aus dem Topf der Ausgleichszahlungen vom Bau der Windkraftwerke zur Verfügung.

Verschotterung von ehemaligen Gartenflächen:

Wir bitten zu prüfen, in wie weit die Kommune über die Satzung der Stadt Einfluss auf die Gestaltung der Gärten nehmen kann. Aufgrund der hohen Verluste von Biotopen in den Außenbezirken durch agrarische Nutzung gewinnen die privaten Gärten einen neuen Stellenwert. Die Sterilisierung durch Verschotterung verschärft diese Situation.

Städtische Liegenschaften:

Bei den jüngsten Bauprojekten (z.B. Hüls oder Innenstadt) vermissen wir die Berücksichtigung von Ausgleichsfläche, bzw. die Integration von naturnahen Flächen. Gleiches gilt für die Versiegelung durch Kunstrasenplätze. Langfristig muss die Biotopsvernetzung das Ziel werden. Unsere Nachbarn in den Niederlanden liefern gute Beispiele.

Die kommende Generation:

Wir empfehlen den Naturschutz als Thema in den Schulen und Kindergärten an die jungen Menschen heran zu tragen. Naturschutz als Unterrichtsfach sollte so normal sein, wie Mathematik und der Deutschunterricht.

Herbizide und Pestizide im privaten Haushalt:

Gut die Hälfte aller ausgebrachten Gifte werden in den heimischen Gärten und Zufahrten eingesetzt. Die Aufklärung der Bürger könnte Einsicht schaffen. Hinweis auf das Schadstoffmobil.

Am 03.03. starten wir zum dritten Mal die Müllsammelaktion „Achterhoek räumt auf“. Ganz Kevelaer könnte sich dem Beispiel anschließen. Schreiben an alle Vereine über den städtischen Verteiler und die sozialen Medien. Zur Veranschaulichung sollen alle gesammelten Funde auf dem PPP zusammen getragen werden.

Und zum Schluss die Frage: Wieso hat unsere Kommune keinen Umwelt- und naturschutzbeauftragten Mitarbeiter?